Schon im Kindesalter fragen sich viele Eltern, ob eine kieferorthopädische Behandlung notwendig ist. Tatsächlich gehören Zahnspangen zu den häufigsten medizinischen Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen. Welche Therapie geeignet ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab – darunter die Art der Zahn- oder Kieferfehlstellung, das aktuelle Wachstumsstadium und das jeweilige Behandlungsziel.
Kurzfassung
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Wirkprinzip und typische Einsatzgebiete der losen Zahnspange
Steht die Frage im Raum, ob eine lose Zahnspange oder feste Apparatur sinnvoller ist, lohnt zunächst ein Blick auf das Wirkprinzip der herausnehmbaren Variante. Sie besteht in der Regel aus einer Kunststoffbasis, die dem Gaumen oder dem Unterkieferboden anliegt, sowie aus Drähten, Federn und Bögen, die Zähne oder Kieferabschnitte unter leichten Druck setzen. Das Gerät wird täglich für einen festgelegten Zeitraum – meist 12 bis 20 Stunden – getragen.
Herausnehmbare Apparaturen kommen vor allem während des aktiven Kieferwachstums zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind ein zu enger Kiefer, ein vergrößerter Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer sowie erste Anzeichen von Engstand oder Platzmangel, bevor alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind.
Bei herausnehmbaren Apparaturen hängt der Behandlungsverlauf auch von der regelmäßigen Tragezeit ab. Da das Gerät herausnehmbar ist, liegt die Tragdisziplin beim Patienten. Wird die empfohlene Tragezeit unterschritten, verlängert sich die Behandlung oder das Behandlungsziel kann nicht erreicht werden. Deshalb wird die Bereitschaft zum regelmäßigen Tragen bereits bei der Behandlungsplanung berücksichtigt.
Die feste Zahnspange und ihre Einsatzbereiche
Die Multibracket-Apparatur – umgangssprachlich feste Zahnspange – besteht aus kleinen Brackets, die auf die Zahnoberfläche geklebt werden, und einem Drahtbogen, der durch alle Brackets geführt wird. Über diesen Bogen übt der Kieferorthopäde gezielte Kräfte aus, die Zähne in alle Richtungen bewegen können. Ein Unterschied zwischen loser und fester Zahnspange besteht im kontinuierlichen Krafteinsatz: Die Multibracket-Apparatur ist dauerhaft im Mund befestigt und daher nicht davon abhängig, ob sie bewusst getragen wird.
Durch die kontinuierliche Kraftwirkung lassen sich bei festen Apparaturen auch komplexe Zahnbewegungen, etwa bei Engständen, Rotationen, offenen Bissen oder ausgeprägten Frontzahnfehlstellungen, gezielt durchführen.
Dem gegenüber steht ein erhöhter Aufwand bei der Mundhygiene, da Brackets und Drähte die Reinigung erschweren und sich dort Beläge leichter festsetzen können.
Wann wird welche Variante empfohlen?
Ob eine lose Zahnspange oder eine feste Apparatur zum Einsatz kommt, bestimmt der kieferorthopädische Befund – nicht ein einziges Kriterium, sondern das Zusammenspiel aus Fehlstellungstyp, Wachstumsstand und Behandlungsziel. Die folgenden Situationen sprechen häufiger für die jeweilige Behandlungsform:
Für herausnehmbare Apparaturen sprechen:
- Behandlungsbeginn im frühen Wechselgebiss (ca. 6–8 Jahre)
- Vorhandenes Kieferwachstum, das gelenkt werden soll
- Leichte bis mittlere Fehlstellungen ohne ausgeprägte Rotationen
- Therapieziele, die auf Kiefererweiterung oder Wachstumssteuerung abzielen
Für feste Apparaturen sprechen:
- Abgeschlossener oder weitgehend abgeschlossener Zahndurchbruch
- Ausgeprägte Zahnfehlstellungen mit Rotationen, Kippungen oder Engständen
- Behandlungen, bei denen Verankerungskontrolle notwendig ist
- Fälle, in denen eine exakte dreidimensionale Zahnbewegung erforderlich ist
Kombinationsbehandlungen mit loser und fester Zahnspange
In der kieferorthopädischen Praxis werden beide Behandlungsformen häufig nacheinander eingesetzt: In einer ersten Phase wird mit einer losen Apparatur das Kieferwachstum gelenkt oder Platz geschaffen. Sobald die bleibenden Zähne durchgebrochen und die Wachstumsphasen abgeschlossen sind, folgt in einer zweiten Phase die feste Zahnspange zur Feineinstellung der Zahnpositionen.
Diese Vorgehensweise hat einen klinischen Hintergrund: Wächst der Kiefer noch, kann zunächst eine herausnehmbare Apparatur sinnvoll sein, bevor später eine feste Zahnspange eingesetzt wird. Umgekehrt kann eine lose Apparatur im Erwachsenenalter nicht die gleichen Bewegungen ausführen, die ein Bracket-System ermöglicht.
Aligner als weitere Behandlungsmöglichkeit
Neben der klassischen Entscheidung zwischen loser und fester Zahnspange kommen heute auch durchsichtige Schienen, sogenannte Aligner, zum Einsatz. Sie sind herausnehmbar, werden aber nicht als einzelne Apparatur gefertigt, sondern als Serie aufeinander abgestimmter Tiefziehschienen – jede Schiene bewegt die Zähne um einen definierten Betrag, bevor die nächste zum Einsatz kommt.
Ob Aligner infrage kommen, hängt von Art und Ausprägung der Zahnfehlstellung ab. Bei bestimmten komplexen Fehlstellungen können feste Apparaturen geeigneter sein. Auch bei Alignern ist die empfohlene tägliche Tragezeit einzuhalten: Aligner müssen täglich mindestens 20 bis 22 Stunden getragen werden.
Fazit
Ob eine lose oder eine feste Zahnspange infrage kommt, richtet sich nach dem jeweiligen Befund. Jede Option hat einen spezifischen Indikationsbereich, der durch den klinischen Befund bestimmt wird und nicht durch Trends. Herausnehmbare Geräte sind bei wachsenden Kiefern und leichteren Fehlstellungen wirksam; feste Apparaturen ermöglichen bei bestimmten Fehlstellungen sehr gezielte Zahnbewegungen. Eine fundierte kieferorthopädische Diagnose mit Röntgenanalyse, Zahnmodellen und Wachstumsbeurteilung bildet die Grundlage jeder Therapieentscheidung. Ein frühzeitiger Untersuchungstermin – idealerweise ab dem sechsten Lebensjahr – ermöglicht es, mögliche Behandlungsoptionen frühzeitig zu beurteilen und bei Bedarf zu einem geeigneten Zeitpunkt zu beginnen.